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Kalypsos Insel

Kalypsos Insel

Die Rekonstruktionen der Odyssee sind oft abenteuerlicher als die Irrfahrten des Odysseus selbst. In den 28 Jahrhunderten seit ihrer Niederschrift haben sich ungezählte Gelehrte, Philologen und Seekapitäne a.D. daran gesetzt, die Reiseroute des homerischen Helden nachzuvollziehen. Als Homer Ende des 8. Jh. v. Chr. den Sagenkreis in die uns heute bekannte Form brachte, setzte zeitgleich eine große griechische Siedlungsbewegung in Unteritalien und Sizilien ein. Die Kolonisten folgten dabei den Spuren mykenischer Seefahrer der Bronzezeit, die als Händler und Entdecker das westliche Mittelmeer erkundet hatten. Hat also der Autor der Odyssee in seiner Dramatisierung der jahrhundertelang mündlich überlieferten Geschichte des griechischen Helden zugleich die ihm bekannten Meeres- und Küstenlandschaften geschildert?

 

 

Bis ins 5. Jh. v. Chr. schien Einigkeit darüber zu herrschen, dass Odysseus Sizilien umschifft hatte. Mit dem Aufstieg Roms verlagerte sich die Lokalisierung der odysseeischen Landschaften in den Golf von Neapel und an die Küsten Latiums. Angesichts dieser Widersprüche kam der alexandrinische Gelehrte Eratosthenes zu dem Schluss, die Reiseroute des Odysseus hätte keine Entsprechung in der geographischen Wirklichkeit. Bereits in der Antike wurden Vermutungen angestellt, Odysseus habe den Atlantik und gar den Nordpol erreicht.

 

 

Mit überzeugenden Argumenten holten die Historiker Armin und Hans-Helmut Wolf Odysseus ins Mittelmeer zurück und räumten zugleich mit lieb gewonnenen Vorstellungen auf. Seit dem 5. Jh. v. Chr. z.B. galt es als ausgemacht, die Äolischen Inseln seien die Inseln des Aiolos. Das Abenteuer ist im Zehnten Gesang der "Odyssee" nachzulesen. Zur Erinnerung: Odysseus hatte, nachdem er und seine Gefährten von Aiolos einen Monat lang freigehalten worden waren, zu guter Letzt ein Gastgeschenk erhalten, einen Rindslederschlauch, in den Aiolos alle Winde gesperrt hatte bis auf den sanften Westwind. Dieser sollte das Schiff sicher in die Heimat blasen. Nach zehn Tagen Fahrt erschien Ithaka am Horizont. Hätten Odysseus Gefährten nicht aus Gier nach Gold den Schlauch geöffnet, so wäre die Odyssee um viele Kapitel ärmer geblieben. Ein Blick in den Atlas zeigt: Hätte Odysseus von den Äolischen Inseln Kurs nach Osten genommen, wäre er auf Unteritalien gestoßen – und davon ist an dieser Stelle keine Rede. Die Aiolos-Insel kann also nur westlich von Ithaka im offenen Meer liegen – Malta zum Beispiel.

 

 

Vieles spricht dafür, die Insel der Kalypso unter den Äolen zu suchen. Der Zwölfte Gesang schildert, wie Odysseus sein Schiff, von Norden kommend, vorbei an denSeeungeheuern Skylla und Charybdis durch die Meerenge von Messina lenkt, wie seine Männer sich bei einem Landgang an den Rindern des Helios vergreifen und wie anschließend das Schiff mit Mann und Maus untergeht. Nur Odysseus überlebt, und an einen Mast geklammert treibt der große Dulder wieder an Skylla und Charybdis vorbei, diesmal aus dem Ionischen Meer zurück ins Tyrrhenische Meer. Der Schiffbrüchige landet auf der Insel Ogygia, "wo die Kalypso wohnt, mit den schönen Flechten, die mächtige redebegabte Göttin". Es kommen nur die Äolischen Inseln in Frage - Panarea vielleicht? Odysseus bleibt sieben Jahre in Gesellschaft der schönen Nymphe, bis ihn der Ratschluss der Götter aus seinem Liebesnest scheucht. Auf einem Floß erreicht er das Land der Phäaken, dass die Brüder Wolf in Kalabrien (Provinz Catanzaro) lokalisiert haben. Aber das ist eine andere Geschichte ...

 

 

Eine griechische Vase aus dem 5. Jh. v. Chr., ausgestellt im sehenswerten Museo Archeologico Eoliano auf Lipari, zeigt den mit einem Reisemantel bekleideten Odysseus, wie er einen Lederschlauch in der Hand hält. Vorschnell möchte man hier im Rindslederschlauch das Gastgeschenk des König Aiolos erkennen, es handelt sich jedoch um einen Weinschlauch, ein Geschenk des Apollonpriesters Maron. In dem wohl bekanntesten Abenteuer der Odyssee wird der Inhalt des Weinschlauchs den Kyklopen Polyphem trunken machen und so rettet Odysseus sich und seine Gefährten erneut aus einer misslichen Lage. Eine sehr schöne Darstellung dieser Szene findet sich in der Villa Romana del Casale auf Sizilien.

 

 

Ob Panarea wirklich die Insel der Kalypso ist, wird sich abschließend nicht klären lassen. Gedanken und Blicke kann man auf einer der Wanderungen schweifen lassen, zu denen das mondäne Naturjuwel heute einlädt. Eine detaillierte Beschreibung Panareas und der anderen Inseln dieses faszinierenden Archipels findet sich im Reisehandbuch "Liparische Inseln. Insel- und Wanderführer", Reisebuchverlag Iwanowski. Absolut lesenswert ist das Buch von Armin Wolf "Auf den Spuren des Odysseus", Böhlau Verlag 2009.

 

 

 

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