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Königliche Mosaiken – Glanz der Normannen

Königliche Mosaiken – Glanz der Normannen

Der Besuch des Doms von Monreale entführt in das himmlische Jerusalem, die ferne Welt des Mittelalters und der Normannen Siziliens. Wie ein Haufen landloser Söldner innerhalb zweier Generationen das mächtigste Königreich ihrer Zeit errichtet haben, bleibt eine der abenteuerlichsten Geschichten die Europa schrieb. Der Dom von Monreale, erbaut unter Wilhelm II., ist der bauliche Höhepunkt dieser glanzvollen Epoche und ihr Abgesang zugleich. Hier erweist sich der Normannenkönig noch einmal als großer Künstler. Die Kunst war das Regieren und die Politik. Eine Bibel, wie sie in fast jedem Hotel ausliegt, ein Opernglas und das Faltblatt "Dom von Monreale" aus dem nahen Touristenamt helfen bei der Betrachtung der Mosaiken.

 

 

In der Hauptapsis wird die himmlische Hierarchie dargestellt. Das beherrschende Mosaik im wahrsten Sinne des Wortes, ist das Bild des Pantokrators. Der Kreuznimbus weist ihn als Herrscher aus, die Stola über der rechten Schulter gibt ihm die Priesterwürde und seine Position macht ihn zum Richter. Die Arme sind weit ausgebreitet, die rechte Hand zum Segen erhoben und in der Linken hält er das geöffnete Buch mit der Heilsversprechung "Ich bin das Licht der Welt und wer mir folgt ...". Diese Darstellung des Pantokrators, die zum erstenmal in Cefalù auftrat und dann noch einmal in der Cappella Palatina, war ein neuer normannischer Bildtypus, der ausschließlich in den königlichen Sakralgebäuden Verwendung fand. Die Normannenkönige, die mit den Assisen von Ariano ein einheitliches Rechtssystem geschaffen hatten und Kraft der Apostolischen Legation auch die höchsten Kirchenbefugnisse in ihrem Reich besaßen, wollten ihre Herrschaft durch die Machtfülle des Pantokrators legitimiert sehen. An prominenter Stelle, an der Innenseite des nordöstlichen Vierungspfeilers, steht das Thronpodest des Königs. Die Rückwand ziert das Krönungsmosaik Wilhelms II., nah verwandt dem Krönungsmosaik Rogers II. in der Kirche Santa Maria dell'Ammiraglio. Nach seiner Heirat mit Johanna von England ließ sich Wilhelm II. 1177 in Monreale ein zweites Mal krönen, damit war Monreale nicht nur Königs- sondern auch Krönungskirche. Dem Königsthron gegenüber ist das Mosaik mit der Stiftung des Doms durch Wilhelm II. zu sehen.

 

 

Von der raumbeherrschenden Figur des Pantokrators gehen die Erzählungen aus und zu ihr führen sie wieder zurück. Kraftvolle Bilder illustrieren die Bibel: Altes Testament, Neues Testament und die Apostelgeschichte oder aber die Verheißung des Wortes, seine Offenbarung und seine Verbreitung in der Welt. In den Seitenapsiden thronen die Apostelfürsten Petrus und Paulus, noch einmal der Verweis auf die Apostolische Legation der Normannenherrscher. Das Querschiff schmücken Darstellungen aus dem Leben Christi, von der Geburt über den Tod bis zur Auferstehung. Im südlichen Querarm sind die Sarkophage von Wilhelm I. und Wilhelm II. aufgestellt. Die Wundertaten Christi werden an den Seitenwänden des Langhauses gezeigt. Von realer Intensität ist zum Beispiel die Vertreibung der Händler aus dem Tempel. Christus schwingt wutentbrannt die Peitsche und stürzt den Tisch der Geldwechsler um. Nie ist die Technik des Goldmosaiks so kongenial verwendet worden.

 

 

Wie auch in der Cappella Palatina, wird im Hauptschiff der Genesiszyklus wiedergegeben, nur das in Monreale ungleich mehr Platz zur Verfügung steht und die Geschichte in allen Details erzählt wird. Gerade diese Details lassen die Betrachtung interessant erscheinen, nachdem die Bilder in ihrer Thematik erst einmal erkannt sind. Die Erschaffung der Gestirne kann daran erinnern, dass seit der Regierung Rogers II. am Normannenhof wissenschaftliche Studien betrieben wurden; in die Herrschaft Wilhelms II. fällt die erste Übertragung von Ptolemaios Hauptwerk Megalè Syntaxis ins Lateinische, das unter seinem verballhornten arabischen Namen Al-magest bekannt wurde. Im darunterliegenden Register wird die Geschichte von Noah erzählt und der Bau der Arche zeigt in aller Detailverliebtheit eine mittelalterliche Schiffswerft. Drastisch real auch die Szene, auf der die Taube mit dem Ölzweig im Schnabel auf Noahs Hand landet, während ein schwarzer Vogel einer im Wasser treibenden Leich die Brust aufpickt. So wie die Arbeiten am Turm von Babel gezeigt werden, so kann man sich auch die Bauarbeiten am Dom von Monreale vorstellen. Eine nähere Betrachtung verdient die Versuchung von Adam und Eva. In der Vulgata, der Bibelübersetzung des Hieronymus aus dem Griechischen und Hebräischen ins Lateinische, wurde der Baum des Bösen zum Apfelbaum. Übersetzungsfehler oder Zensur? Im Mosaik legt sich die Schlange um einen Feigenbaum und die Erkenntnis Adams und Evas besteht nicht zuletzt aus der Entdeckung der eigenen Sexualität, ein Thema das der Kirche offensichtlich schon früh Kopfzerbrechen bereitet hat. Die Feige ist, wie auch der Granatapfel, ein eindeutiges Sexualsymbol. Praktisch, dass die Feigenblätter gleich zur Hand waren, als Gott die Sünder aus dem Paradies verwies.

 

 

Wer dem irdischen Glanz von Wilhelms II. Leben nachspüren möchte, kann in Palermo die Zisa besuchen. Die Reisebeschreibungen des Mekkapilgers Ibn Dschubair füllen den alten Palast mit Leben.

 

 

 

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