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Pflanzenwelt

Pflanzenwelt

 

Sizilien besitzt mit ca. 3000 Arten eine ausgesprochen reiche Flora und in Bezug auf Pflanzen die höchste Biodiversität im gesamten Mittelmeerraum. Die Gründe liegen in einer bewegten Erd- und Klimageschichte, dem Zusammentreffen mehrerer pflanzengeographischer Regionen und einer seit 6000 Jahren anhaltenden menschlichen Einflussnahme. Der Anteil von Endemiten ist hoch, darunter auch Relikt-Pflanzen aus dem Tertiär. Als Klima-Flüchtlinge der letzten Eiszeit wachsen in den Gebirgslagen der Nordküste und am Monte Etna Arten, die sonst in Mitteleuropa heimisch sind. Damit reicht das botanische Spektrum vom tropischen Papyrus bis zur Hochgebirgsvegetation. Nicht nur im Frühling während der berühmten primavera siciliana ist die form- und farbenreiche Pflanzenwelt Siziliens eine Reise wert. Und am besten lernt man sie zu Fuß kennen! Ein Bestimmungsbuch gehört ins Gepäck.

 

 

www.dipbot.unict.it – Auf der Website des Dipartimento di Biologia Università di Catania Infos zum Botanischen Garten Catania und zur Pflanzengeografie Siziliens (letztere auch auf Deutsch).
www.orchis.de/orchis/exdocs/siz01.htm
– Exkursionsbericht einer Orchideenreise in Sizilien.
www.mare-mundi.eu
– Das Mittelmeer-Portal des Meeresbiologen Robert Hofrichter ist auch am Festland eine gute Informationsquelle (der Link führt zum Kapitel "Flora" und ein Abschnitt beschreibt konkret auch Sizilien), seine Bücher zum Thema eine unendliche Fundgrube.
www.botanikreisen.ch
– Der Schweizer Spezialveranstalter bietet Wanderreisen mit Schwerpunkt Botanik an, zahlreiche Reisen führ(t)en auch nach Sizilien.

Küsten

Küsten

Als einzige Blütenpflanze des Mittelmeeres bildet Neptungras (Posidonia oceanica) in einer Tiefe von 1-35 m unter der Wasseroberfläche dichte "Wiesen" auf sandigem Grund. Vom Vorhandensein der ökologisch wichtigen Seegraswiesen zeugen braune "Seebälle" am Strand, die aus abgerissenen und von der Brandung zu Kugeln gerollten Blattfasern bestehen. Zu den Strand-Pionieren zählen Meersenf, Levkoje, Strohblume und die silbrig-blaue Strand-Diestel (Eryngium maritimum). Mit ihren reinweißen delikat duftenden Blüten (Juli bis Oktober) ist die Dünen-Trichternarzisse (Pancratium maritimum) eine der schönsten Küstenpflanzen des Mittelmeerraums. Auf älteren, gefestigten Dünen wachsen Zedernwacholder, Mastix, Myrte, Steinlinde und die Wildform des Ölbaums. Im Rücken der Dünen finden sich z.T. Salzsümpfe und Marschen mit Meerbinsen, Schilf und dem sukkulenten Queller (Salicornia glauca).

Schluchten, Fiumare und Bachläufe

Schluchten, Fiumare und Bachläufe

Von Juni bis September, wenn die meisten Mittelmeerpflanzen längst Früchte ausbilden, blüht in den breiten Fiumare-Tälern der Peloritani, im Alcántara-Tal und in den Cave der Monti Iblei der immergrüne Oleander (Nerium oleander). Seine bis zu 12 m langen Wurzeln erreichen selbst in trockensten Sommern noch wasserführende Schichten - das macht ihn auch zum ebenso anspruchslosen wie dekorativen Straßenbegleitgrün auf Autobahnmittelstreifen. Seine rosa Blüten duften angenehm nach Vanille. Vorsicht, die Pflanze ist in allen Teilen stark giftig! In den Auwäldern der Iblei-Schluchten stehen neben schlanken Pappeln, Weiden, Lorbeer (Laurus nobilis) und Schmalblättrigen Eschen auch Morgenländische Platanen (Platanus orientalis) mit ihren großen Kronen. An feuchten Standorten, oft aber auch als Windschutz angepflanzt, wächst das Spanische Rohr (Arundo donax). Mit Wuchshöhen von bis zu 6 m ist es das größte Gras Europas. Ein griechischer Mythos erzählt vom vergeblichen Liebeswerben des Hirtengottes Pan um die Nymphe Syrinx und der daraus resultierenden Erfindung der Panflöte.

 

 

Eine absolute Besonderheit ist der Echte Papyrus (Cyperus papyrus) am Ufer der Ciane, die wenige Kilometer südwestlich Syrakus aus einer Karstquelle entspringt. Papyrus wurde bereits in der Antike, nach einer anderen These im 10. Jh. durch die Araber eingeführt und war zeitweise in ganz Sizilien verbreitet. In Syrakus beschäftigt sich ein Papyrus-Museum (www.museodelpapiro.it) mit der Natur- und Kulturgeschichte des berühmten Tropengrases. Ein zweiter, weniger bekannte Standort liegt im Naturschutzgebiet von Fiumefreddo. Der "kalte Fluss" entspringt an den östlichen Hangfüßen des Ätna, wenige Kilometer südlich von Taormina. Fast nur Einheimischen bekannt, liegt an der nahen Mündung des Fiumefreddo einer der schönsten Strände Ostsiziliens, die Marina di Cottone.

Steppen

Steppen

Beschränkt auf die trockensten und wärmsten Lagen im Süden der Insel wachsen Steppen, wie sie sonst typisch für Nordafrika sind. Hier spriessen die großen Horstgräser Diss (Ampelodesmos mauritanica) – auch als Mauretanisches Riesengras bezeichnet, Halfagras und auf lehmigen Böden das kleinere Espartogras. Alle drei Gräser wurden früher für Flechtarbeiten verwendet. Durch Brände begünstigt, breitet sich Diss in Garriguen und auf ehemaligen Acker- und Weideflächen aus.

Wiesen und Weiden

Wiesen und Weiden

Die Farbenpracht des sizilianischen Frühlings und Frühsommers entfaltet sich am spektakulärsten auf Wiesen, brachliegenden Feldern, Weiden, in Olivenhainen und archäologischen Ausgrabungsstätten. Schon ab Dezember leuchtet der seit dem 18. Jh. heimisch gewordene, ursprünglich aus Südafrika stammende gelb blühende Nickende Sauerklee (Oxalis pes-caprae). Anemonen, Wucherblumen, Acker-Ringelblumen, verschiedenste Klee-Arten und roter Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas) setzen den Reigen fort. Im Frühsommer blühen die robusteren Disteln, darunter auch die Kardone (Cynara cardunculus), Wildform der Artischocke. Eine besonders auffällige Erscheinung ist das Gemeine Rutenkraut (Ferula comunis), eine bis zu 3 m hohe Staude mit großen gelben Doldenblüten. Der ebenfalls verwendete deutsche Name Riesenfenchel ist irreführend. Im Gegensatz zum viel zierlicheren Wilden Fenchel (Foeniculum vulgare), der wild gesammelt vielen sizilianischen Gerichten sein frisches Aroma verleiht, ist das Rutenkraut beinahe geruchlos. Die trockenen Vorjahresstengel können als Wanderstöcke geschnitten werden!

Macchia und Garrigue

Macchia und Garrigue

Macchie und Garrigue gelten als Degradationsstufen immergrüner Steineichenwälder. Über Jahrtausende anhaltende Rodungen – oft mit Hilfe von Feuer – und anschließende Beweidung haben ein buntes Mosaik dieser artenreichen typisch mediterranen Vegetationsformen entstehen lassen. Auf extremen Standorten kommen sie natürlich vor. Nach Aufgabe der Landwirtschaft breiten sich auf alten Ackerterrassen und Weideflächen die sonnentoleranten Kräuter, Zwiebelgewächse, Gräser und Zwergsträucher der Garrigue wieder aus. Der Übergang von Garrigue zu felsigen Trockenrasen, auf denen vom März bis Juni oft massenhaft der Kleinfrüchtige Affodill (Asphodelus aestivus) blüht oder zur niederen Macchie, deren Aspekt Zistrosen (Cistus spec.), Stechginster und Mastix (Pistacia lentiscus) bestimmen, ist fließend. Einige der schönsten Garriguen und Macchien finden sich auf der Insel Maréttimo. Am Monte Cófano und im Zingaro gedeihen Zwergpalmen (Chamaerops humilis) in großen Beständen. Auf felsigen vollsonnigen Standorten in Küstennähe behauptet sich Baumartige Wolfsmilch (Euphorbia dendroides). Der bis zu 2 m hohe halbkugelige dicht verzweigte Busch ist zu allen Jahreszeiten eine eindrucksvolle Erscheinung. Im späten Frühjahr welken zum Ende der Blütezeit die Blätter, die sich wie alle grünen Teile der Pflanze rot verfärben. Den Sommer verbringt die Baumartige Wolfsmilch im blattlosen Zustand und erinnert dabei an Korallen. Mit Einsetzen der Winterregen treiben leuchtend grüne Blätter aus und im Frühjahr überzieht sich die Wolfsmilch mit gelb-grünen Blütenständen. Ihr Milchsaft ist ätzend und giftig! Die Baumartige Wolfsmilch wächst oft in Gesellschaft mit dem silbergrauen Wermut (Artemisia arborescens).

 

 

In den immergrünen Buschwäldern der Macchie erreichen die verholzten Pflanzen Wuchshöhen von 2-5 m. Typisch sind auch Lianen wie Immergrüne Rose (Rosa sempervirens), Krappwurzel (Rubia peregrina), Stechwinde (Smilax aspera) oder Stechender Spargel (Asparagus acutifolius), dessen wild gesammelte Frühjahrstriebe auf Märkten als Gemüse verkauft werden. Auf kalkarmen oder sauren Böden dominieren Westlicher Erdbeerbaum (Arbutus unedo), Baum-Heide (Erica arborea) oder Gemeine Myrte (Myrtus communis), die sich von April bis August mit weißen duftenden Blüten bedeckt. Einen guten Eindruck von kalkliebender Macchie mit Phillyrea latifolia (Breitblättrige Steinlinde), Immergrünem Kreuzdorn (Rhamnus alaternus), Terpentin-Pistazie (Pistacia terebinthus), Blumen-Esche und dem sommergrünen, im Frühjahr rosablühenden Judasbaum (Cercis siliquastrum) erhält man bei einer Besteigung des Monte Pellegrino.

Wälder

Wälder

Sizilien wurde in der Antike als waldreich und fruchtbar beschrieben. Die Flüsse waren damals bis weit ins Landesinnere schiffbar. Eine stärkere Entwaldung Siziliens begann in römischer Zeit, nahm aber erst im 16. Jh. und verstärkt im 19. Jh. katastrophale Ausmaße an. Wegen ihrer Abgeschiedenheit, als ehemals königliche Jagdreservate oder seit den 1980er Jahren als Naturschutzgebiete haben sich größere Waldgebiete erhalten. Wir durchstreifen auf unseren Wanderungen einige der schönsten Wälder Siziliens. Seit Mitte des 20. Jh. Jahren finden verstärkt Aufforstungsmaßnamen statt. Wurden früher v.a. aus Australien stammender Eukalyptus und die ebenfalls australischen Akazien, neben westmediterranen, leicht entflammbaren Aleppokiefern (Pinus halepensis) verwendet, forstet man heute soweit möglich standortangepasste Arten auf. Der letzte natürliche Aleppokiefernwald Siziliens steht im Mündungsgebiet des Fiume Ippari im Westen Ragusas unter Naturschutz.

 

 

Die Stein-Eiche (Quercus ilex) wäre ohne die wald- und bodenzerstörende Einflussnahme des Menschen die dominierende immergrüne Baumart im Mittelmeerraum. Geschlossene Stein-Eichenwälder, wie es sie z.B. noch an den westlichen Abhängen des Ätna, an den Nordflanken der Monti Sicani und vereinzelt in den Monti Erei gibt, sind sehr schattig. Umso intensiver leuchten im Frühjahr die purpurroten Blüten des Geschweiftblättrigen Alpenveilchens (Cyclamen repandum) und im Herbst die blassrosa Blüten des Neapolitanischen Alpenveilchens (Cyclamen hederifolium) am Boden. Zum charakteristischen Unterwuchs gehört auch der Stechende Mäusedorn (Ruscus aculeatus), dessen stechende "Blätter" in Wahrheit blattartig verbreitete Stengel sind, auf denen die winzigen weißen Blüten und ab August die roten Beerenfrüchte aufsitzen. Die Zweige werden gerne als Weihnachtsschmuck verwendet, früher nutzte man sie zur Mäuseabwehr in der Speisekammer. Daran erinnert auch der italienische Name Pungitopo ("Stich di Maus"). Auf silikatreichen Böden wächst die immergrüne Kork-Eiche (Quercus suber), deren Borke zumindest früher geerntet wurde.

 

 

Über 500 m Meereshöhe löst sommergrüner Eichenmischwald die immergrünen Stein-Eichenwälder ab. Die Flaum-Eiche (Quercus pubescens) ist der Charakterbaum der submediterranen Laubwaldstufe. Neben den Eichen wachsen hier Französischer Ahorn, Hopfenbuche, Orientalische Hainbuche, Zürgelbaum und Manna-Esche (Fraxinus Ornus), die im Gegensatz zu anderen Eschen-Arten von Mai-Juni auffällige weiße Blüten trägt. In den Madonie wird bei Castelbuono die Manna- oder Blumen-Esche seit dem 17. Jh. angebaut. Der aus Rindeneinschnitten gewonnene süßliche Saft wird getrocknet als leichtes Abführmittel verwendet. Ob die Esskastanie (Castanea sativa) in Sizilien natürlich vorkommt oder von den Römern eingeführt wurde, ist nicht abschließend geklärt. Als Nutzbaum hat sie in der submediterranen Laubwaldstufe seit der Antike eine starke Ausbreitung erfahren. Oft werden die Kastanien auf den Stock gesetzt und die wieder austreibenden dünnen Stämme gefällt und als Stützholz verwendet. Im Herbst werden die Früchte (Maronen) gesammelt und im Winter auf Holzkohlen gegrillt in Städten auf der Straße verkauft. In Höhen zwischen 800 und 1300 m und auf feuchten Böden bilden Zerr-Eichen (Quercus cerris) dichte Wälder. Auf feuchteren Standorten wächst auch die Stechpalme (Ilex aquifolium), deren größte Bestände in den Madonie zu finden sind. Die roten Beeren und Blätter sind sehr dekorativ, aber auch stark giftig! Unangefochtener Star der sommergrünen Eichenmischwälder ist die im Mai blühende Großblättrige Pfingstrose (Paeonia mascula). Zu den schönsten Standorten zählt der Bosco della Ficuzza. Sie wachsen aber auch im Bosco di Malabotta und in den Madonie.

 

 

In höheren Gebirgslagen bilden Buchen (Fagus sylvatica) ausgedehnte Wälder, die in ihrer Artenzusammensetzung mitteleuropäischen Buchenwäldern ähnlich sind. Die Buchen haben Sizilien als Klima-Flüchtlinge während der Eiszeiten erreicht und finden hier ihre südliche Verbreitungsgrenze. In den Madonie und am Ätna wachsen sie bis an die Waldgrenze, dann allerdings nur noch in Gestalt niedriger Sträucher. Von den noch in der Antike weit verbreiteten Nébrodi-Tannen (Abies nebrodensis) überleben streng geschützt die letzten Exemplare im Vallone Madonna degli Angeli in den Madonie. Ebenfalls während der Eiszeiten eingewandert, bilden Birken (Betula aetnensis) am Ätna inzwischen eine eigene Art. Die schönsten Birkenwälder wachsen inmitten schwarzer Lava zwischen 1300 und 1900 m Höhe auf der Nordostseite. Wie Buchen, erreichen auch Birken in Buschform die Baumgrenze.

Hochgebirgsvegetation

Hochgebirgsvegetation

In extremen Lagen und oberhalb der Baumgrenze beginnt das Reich der Dornpolsterpflanzen. Beispiele gibt es in den Madonie. Besonders ausgeprägt ist diese in Europa seltene Vegetationslandschaft am Ätna. Neben Berberitzen und Kriechwacholder ist es v.a. endemischer Ätna-Tragant (Astragalus siculus), der in Höhen zwischen 2000 und 2500 m im schwarzen Lavasand bizarre Polsterlandschaften formt und dabei die lockeren Steilhänge stabilisiert. Im Windschutz der dornigen Kissen wachsen Ätna-Veilchen (Viola aetnensis), das weißfilzige Ätna-Greiskraut (Senecio aetnensis), Sizilianischer Rainfarn und Gräser. Einige Blütenpflanzen, wie der Ätna-Schildampfer (Rumex aetnensis), die Ätna-Kamille (Anthemis aetnensis) oder Ätna-Greiskraut steigen vereinzelt bis auf 3000 m auf. Ansonsten gedeihen in diesen unwirtlichen Höhen nur noch Flechten.

Nutzpflanzen

Nutzpflanzen

Sizilien ist ein uraltes Kulturland. Den Granatapfel (Punica granatum) führten die Punier ein, Oliven und Wein die Griechen. Sizilien zählt heute zu den führenden Olivenölproduzenten Italiens und die sizilianischen Weine werden längst nicht mehr nur als kräftige Verschnittweine exportiert. Sie mischen inzwischen auch international in der Spitzenliga mit. Die Römer machten Sizilien zu ihrer ersten Kornkammer und immer noch prägen endlose Hartweizenschläge das Landschaftsbild Innersiziliens. Im Mittelalter erlebte Siziliens Landwirtschaft einen großen Aufschwung unter den Arabern, die nicht nur Bewässerungstechniken und die Terrassenwirtschaft einführten, sondern auch zahlreiche Kulturpflanzen wie Zitronen, Orangen, Pistazien, Maulbeerbäume (für die Seidenraupenzucht), Zuckerrohr und Dattelpalmen. Auch wenn die Früchte der Dattelpalmen im sizilianischen Klima nicht reifen, finden schmuckvoll geflochtene Palmwedel zur Osterzeit reiche Verwendung. Das wichtigste Pistazienanbaugebiet Siziliens liegt an den Westhängen des Ätna bei Bronte. Noch bis Mitte des 20. Jh. war die Conca d’Oro bei Palermo ein wichtiges Agrumenanbaugebiet. Die meisten Zitronen- und Orangenhaine fielen mafiöser Baupolitik der Nachkriegszeit zum Opfer. Im Vorort Ciaculli gibt es von Slow Food gefördert noch einige Mandarinenhaine. Sizilien ist bekannt für Zitronen und die Blut- oder Moro-Orangen, die ausschließlich an den Hängen des Ätna und in der Küstenebene von Lentini gedeihen. Die Entdeckung Amerikas bescherte Sizilien eine ihrer Charakterpflanzen, den Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica). Feigenkakteen werden der süßen Früchte wegen angebaut und Bauern nutzten die schnell wachsende Pflanzen gerne als natürlichen "Stacheldraht". Häufig verwildern Feigenkakteen auf felsigen Hängen zusammen mit den ebenfalls aus Mittelamerika stammenden Agaven (Agave amaericana), die bereits Ende des 16. Jh. nach Italien eingeführt worden war.

Botanische Gärten und Parkanlagen

Botanische Gärten und Parkanlagen

Sizilien hat eine lange und glückliche Gartengeschichte, die zur Zeit der Magna Graecia beginnt. Ein Besuch der Villa Romana del Casale vermittelt eine Idee von römischer Gartenkunst. Die Literatur berichtet von den Lustgärten arabischer Emire, als deren gelehrige Erben auch in dieser Hinsicht die Normannen und Kaiser Friedrich II. sich erwiesen haben. In arabischer Zeit wurden neben den Auberginen, auch die Agrumen in Sizilien eingeführt (Bitterorangen wurden bereits im 1. Jh. n. Chr. als Zierpflanzen kultiviert). Die barocke Gartenkunst blühte in der Hauptstadt während des Exils des politisch völlig uninteressierten, für agronomische Fragen jedoch aufgeschlossenen bourbonischen Königs Ferdinand IV. noch einmal auf.

 

 

Ende des 18. Jh. entstand auch der Botanische Garten von Palermo (www.ortobotanico.unipa.it), einer der schönsten seiner Art. In der benachbarten Villa Giulia suchte Goethe nach der "Urpflanze". Im subtropischen Klima Palermos gedeihen auch tropische Arten und der Botanische Garten spielte eine große Rolle bei der Einfuhr, Akklimatisierung und Verbreitung v.a. tropischer Baumarten im europäischen Mittelmeerraum. Dazu gehören z.B. die aus Südamerika stammenden Wollbäume der Gattung Ceiba (früher Chorisia), auch als falsche Kapokbäume bezeichnet. Auffällig sind ihre stachelbewährten, bauchigen Stämme, in denen sie Wasser speichern können, die großen gelblich-weißen bzw. lila-rosa Blüten und die avocado-ähnlichen Früchte. Die reifen Samen sind mit Büscheln silbrig-weißer Flughaare versehen, die wasserabstoßend sind und z.B. zum Füllen von Rettungsringen und Matratzen verwendet werden können. Aus Zentralchina wurde die Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica) eingeführt und wird heute mittelmeerweit wegen ihrer efrischend-aromatischen Früchte angebaut. Australische Gummibäume (Ficus macrophylla od. magnolioides) erreichen mit ihren Luftwurzeln riesenhafte Ausmaße, besonders eindrucksvolle Exemplare stehen im Giardino Garibaldi an der Piazza Marina von Palermo. Birkenfeigen (Ficus benjamina), in unseren Breiten als biedere Büropflanzen bekannt, wachsen in Sizilien zu stattlichen Alleebäumen heran. Der Botanische Garten von Catania (www.dipbot.unict.it), 1858 gegründet, ist für seine Sukkulenten-Sammlung bekannt. Schöne historische Stadtparks besitzen außer Palermo und Catania auch Taormina, Piazza Armerina, Caltagirone und Ragusa Ibla. Zu den attraktiven Park- und Alleebäumen zählen u.a. Jacaranda (Jacaranda mimosifolia),  Paternosterbaum (Melia azedarach), Frangipani (Plumeria spec.) oder Peruanischer Pfefferbaum (Schiuns molle). Palmen, die seit dem arabischen Mittelalter zum Landschaftsbild Siziliens und seit dem 19. Jahrhundert zum Städtebild Palermos gehören, sind seit Anfang der 1990er Jahre den verheerenden Attacken des aus Südostasien eingeschleppten Roten Palmrüsslers ausgesetzt. 

 

 

 

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