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Enna und Monti Erei

Enna und Monti Erei

 

Hätte man nur ein Wort, das Innere Siziliens zu beschreiben, wäre es Weizen. Endlos ziehen sich die Getreidefelder über die sanften Hügel der Monti Erei. Im Frühjahr leuchtend grün und bald durchsetzt vom roten Mohn, reift der Weizen im Frühsommer zu einem satten Gold heran. Landschaftsbilder, die sich seit der Antike kaum verändert haben, als die Griechen hier noch die Erdmutter Demeter und ihre Tochter Persephone heilig hielten. Zu der Zeit als Sizilien die Kornkammer Roms war, wurden die Göttinen als Ceres und Proserpina weiter verehrt. Die mosaikgeschmückte Villa del Casale (UNESCO-Weltkulturerbe), in der Nähe von Piazza Armerina, erlaubt einen faszinierenden Blick zurück in diese Epoche. Die Ausgrabungen von Morgantina wenige Kilometer weiter östlich führten hingegen lange Zeit zu Unrecht ein Schattendasein. Mit Rückkehr der Venere di Morgantina, einer 2,20 m hohen Marmorstatue des 5. Jh. Chr., verfügt das nahe Aidone nun über eine weltberühmte Attraktion. Die überlebensgroße Venusstatue wird einem Schüler des Phidias zugeschrieben. Aus illegalem Quellen gelangte die Figur in den Besitz des Paul Getty Museum Malibu und wurde 2010 dem Italienischen Staat zusammen mit anderen Schätzen zurück gegeben.

 

 

Während sich im Tal Getreidefelder ausdehnen, liegen die Städte hoch oben auf schwer zugänglichen Hügelkuppen. Auf dem Rückzug vor den einwandernden Griechen, verließen die Sikuler die Küste und siedelten in den leichter zu verteidigenden Berglagen. Agira, Calascibetta, Centuripe, Enna oder Troina gehen auf solche sikulische Gründungen zurück und zählen damit zu den ältesten Städten Italiens. Das verheerende Erdbeben von 1693 hat diese Städte zum größten Teil verschont, so das sich zahlreiche Spuren des Mittelalters erhalten haben. Die Burgen, häufig von Normannen errichtet und zur Zeit der Staufer weiter ausgebaut, waren Schauplatz der heftigen Auseinandersetzungen, die der sizilianischen Vesper folgten.

 

 

Geologisch wird das Landesinnere Siziliens als altopiano zolfifero beschrieben. In hunderten von Minen wurden während des 19. Jahrhunderts die reichen Schwefelvorkommen ausgebeutet. Sizilien lieferte zeitweilig bis zu neunzig Prozent des Weltschwefelbedarfs. Das Land und die Menschen wurden rücksichtslos ausgeblutet. Der Literaturnobelpreisträger Luigi Pirandello, dessen Familie eine Schwefelmine besaß, beschreibt die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, der häufig auch Kinder ausgesetzt waren. In den 1950er Jahren schlossen die letzten Gruben. Zehntausende wurden arbeitslos und viele von ihnen gingen als Gastarbeiter nach Deutschland.

 

 

 

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