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Selinus – Eine griechische Polis auf Sizilien

Selinus – Eine griechische Polis auf Sizilien

Im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. geriet die griechische Welt in Bewegung. Von Stadtstaaten mit einer langen Schifffahrtserfahrung, wie Korinth oder Megara, wurden an den Schwarzmeer- und Mittelmeerküsten neue Städte angelegt. Über die Gründe kann man nur mutmaßen. Überbevölkerung und knappes Ackerland werden ein wichtiger Anlass gewesen sein, einen Teil der Bevölkerung dazu zu ermutigen, sich eine neue Heimat zu suchen. Zu den auswanderungswilligen Bürgern gehörten landlose Bauern, die jüngsten Söhne kinderreicher Familien und politisch Unzufriedene, die zum Verlassen der Heimat gezwungen waren oder auf eigenen Wunsch fortgingen. Die neuen Stadtgründungen sollten sich selbstständig und von der Metropole ("Mutterstadt") unabhängig zu einer autonomen Polis entwickeln. Das fruchtbare Sizilien, erwies sich für die Griechen als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Sie brachten Saatgut mit und führten Ölbaum und Weinstock ein. Der Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse machte sie reich. Die Städte wuchsen rasch, so das zum Beispiel die im 8. Jahrhundert v. Chr. gegründete Polis Megara Hyblaea, ihrerseits 628 v. Chr. Selinus gründen konnte.

 

 

Der Siedlungsplatz war gut gewählt, ein langgestreckter Hügel am Meer, zu beiden Seiten von Flüssen umgeben. Die Flüsse schützten die Stadt auf dem Hügel, dienten als Häfen und erleichterten die Handelskontakte ins Hinterland. Das Land war fruchtbar und heute noch gedeihen hier die besten Oliven Siziliens. Als Erstes gingen die griechischen Siedler daran, die Baulose gerecht aufzuteilen. Über die zukünftige Stadt wurde ein Netz sich rechtwinklig schneidender Straßen gelegt, das sich auch auf das umgebende Ackerland ausdehnte. Auf der Akropolis steckte man ein Drittel der Fläche als Bereich für Heiligtümer und öffentliche Bauten ab. Staat und Religion waren in der Antike nicht voneinander zu trennen, und so kamen auch den Tempeln zusätzliche staatliche Funktionen zu. Ihnen war zum Beispiel das Stadtarchiv angeschlossen, oder sie dienten als Banken. Die Tempel waren mehr noch als alle anderen Bauten, Statussymbole der Polis, mit der sich jeder Bürger identifizierte. Der Bau eines großen Peripteros ("Ringhallentempel") war kostspielig, so dass es in Griechenland etliche Poleis gab, die sich nicht einmal einen einzigen Ringhallentempel leisten konnten. Selinus liefert das beste Beispiel für den Baueifer, von dem die Westgriechen förmlich besessen waren. Die Stadt besaß alleine sieben Peripteroi nebst einer Anzahl weiterer Heiligtümer.

 

 

Das Heiligtum der Demeter Malophoros

 

 

Einen guten Eindruck von der Anlage der Stadt und der Entwicklung des Tempelbaus, gewinnent man, wenn man zunächst den Akropolishügel überschreiten und die Stadt über den antiken Fluß Selinon nach Westen verlässt. Außerhalb der Stadtmauern lag der Tempel des Zeus Meilichios und der heilige Bezirk der Demeter Malophoros. Die "Granatapfel tragende" Demeter gebot über Fruchtbarkeit und Tod, Kultvorstellungen der Sikaner und Karthager verschmolzen mit dem griechischen Mythos. Das am Weg zu den Nekropolen gelegene Heiligtum wurde kurz nach der Stadtgründung errichtet. Der Göttin erbaute man ein Megaron ("Haus"). Der schlichte, rechteckige und säulenlose Quaderbau, weist drei Räume auf. Durch einen Pronaos ("Vorraum"), betraten die Priester den Naos, in dem die Gottheit lebte, ein Adyton schloß sich an. Diese Grundform begegnet einem auch in den großen Ringhallentempeln auf der Akropolis und dem Osthügel, nur das hier das Megaron von Säulen umstanden ist.

 

 

Tempel künden den Reichtum der Stadt

 

 

Wendet man sich um, so ist das Ausmaß des antiken Selinus erst richtig zu erfassen. Im Norden des Akropolishügels sind die mächtigen Verteidigungsmauern zu erkennen. Die Wohnstadt zog sich ursprünglich noch weit über das angrenzende Plateau hin. Der Weg zurück auf die Akropolis, führt zu dem teilweise wieder aufgerichteten Tempel C, dessen Metopen im Archäologischen Museum von Palermo ausgestellt sind. Da nicht mehr bekannt ist, welchen Gottheiten die einzelnen Tempel geweiht waren, werden sie heute mit Buchstaben bezeichnet. Der Tempel C wurde zwischen 570-560 v. Chr. als erster Ringhallentempel auf der Akropolis errichtet und war in seiner völlig ungestümen Wildheit noch weit von dem harmonischen Gleichmaß der späteren klassischen Bauten entfernt. Einen Eindruck von seiner lebendigen Farbigkeit vermittelt der Terakotta-Schmuck des Giebelfeldes, der ebenfalls im Museum von Palermo zu sehen ist. In die Bauzeit dieses Tempels, fiel die Erfindung der Säulentrommel. Die ersten Säulen sind noch monolithisch, während die darauffolgenden bereits in der neuen Technik errichtet wurden.

 

 

Etwas jünger ist der Tempel F auf dem Osthügel; mit dem Tempel C verbindet ihn die gleiche, unmäßige Längsstreckung. Eigentümlicherweise waren die Säulenzwischenräume dieses Tempels bis in eine Höhe von 4,50 Metern vermauert. Vielleicht sollte der den Blicken entzogene Umgang den Prozessionen eines Mysterienkultes dienen. Mit dem Bau des Tempels G, 520 v. Chr., verfielen die Selinuntiner vollends der Megalomanie. Der imposante Peripteros sollte sich auf einer Grundfläche von 50 mal 110 Metern erheben. Die Bauarbeiten zogen sich über mehr als 80 Jahre hin, und dabei haben sich die stilistischen Veränderungen auf dem Weg zur Klassik im Bau niedergeschlagen. Die ältesten, archaischen Kapitelle, haben noch einen ausladenden Wulst, während das Kissen der jüngeren Kapitelle bereits straft gespannt ist. Als die Karthager 409 v. Chr. Selinus eroberten war der Bau noch unvollendet, die meisten Säulen wie am Tempel von Segesta noch unkanneliert. In den Cave di Cusa wurden noch einige der Säulentrommeln geschlagen. Ein Erdbeben hat den Riesenbau zum Einsturz gebracht und ein grandioses Trümmerfeld hinterlassen. An einigen Architravblöcken lassen sich U-förmige Aussparungen erkennen. Hier wurden Seilschlaufen angelegt, ein indirekter Hinweis darauf, dass die Griechen beim Bau Kräne eingesetzt hatten. Das Musterbeispiel eines klassischen dorischen Tempels, ist der wiederaufgerichtete Tempel E, dessen Bauglieder in harmonischen Proportionen zueinander stehen. Die Metopen, die ihn schmückten, gehören zu den schönsten Bildwerken der Antike.

 

 

 

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